Der Blick über den eigenen Tellerrand lohnt!
Die Erfahrung aus 10 Jahren Erfa-Arbeit im Naturkost-Einzelhandel zeigt: Erfa-Unternehmen sind erfolgreicher. Betriebe, die regelmäßig an Erfa-Gruppen teilnehmen, erwirtschaften bessere Betriebsergebnisse im Vergleich zu Betrieben, die sich nicht in dieser Hinsicht engagieren.
Erfahrungsaustauschgruppen sind ein Zusammenschluss von 10 - 15 UnternehmerInnen einer Branche, die sich ca. zweimal im Jahr (bei Bedarf auch öfter) für zwei Tage treffen, um gemeinsam betriebliche Probleme zu besprechen und zu lösen und gegenseitig Erfahrungen aus dem betrieblichen Alltag auszutauschen.
Moderiert und betreut werden die Gruppen von erfahrenen Branchenberatern. Zielsetzung der Erfa-Arbeit ist der wirtschaftliche Erfolg der TeilnehmerInnen, konkreter ausgedrückt: die Gewinne müssen endlich so hoch ausfallen, dass auch Rücklagen, Vorsorge und Urlaub der InhaberInnen abgedeckt werden können. Erfa-Gruppen bleiben über viele Jahre bestehen. Die ältesten der Erfa-Gruppen im Naturkost-Einzelhandel sind mittlerweile mehr als 10 Jahre alt. Arbeitsgrundlage für alle bestehenden Gruppen ist der Grundsatz: Offenheit nach innen und Diskretion nach außen, denn es wird an konkreten Zahlen gearbeitet und oft bleiben auch persönliche Belange nicht außen vor. Vertrauensvoller Umgang und gegenseitige Hilfestellung sind die konkreten Erfahrungswerte der Arbeit.
Erfa-Arbeit zeichnet sich aus durch:
- offene Atmosphäre (man kann über alles reden)
- Suche nach Lösungen ganz konkreter Probleme
- ernsthafte Arbeit, insbesondere auch an sich selbst.
Die Tagungen bieten nicht zuletzt eine Möglichkeit einmal bewußt aus dem Ladenalltag auszusteigen, um mit Abstand die Arbeit zu reflektieren. Hilfreich ist hierbei eine schöne Umgebung, die in den Pausen Spaziergänge ermöglicht. Die Wirkung solcher Umstände sollte nicht unterschätzt werden, da der "lose Austausch" im kleineren Kreise eine gute Gelegenheit für aktuelle Gespräche und gegenseitige Anliegen bietet.
Daneben gibt es zusätzlich einige angenehme Begleiterscheinungen, wie z.B.:
- meist naturnahe Tagungsorte und gutes Essen
- Szene-Austausch
- Informationen, Tipps und Tricks aller Art
Erfa-Gruppen konzentrieren sich inhaltlich bei ihren Tagungen auf 3 Bereiche: Betriebsvergleich, Bearbeitung unternehmerischer Einzelfragen (nach Bedarf) und gegenseitige Ladenbesichtigungen.
Betriebsvergleich
Der Vergleich der eigenen Zahlen mit denen der Branche und insbesondere mit denen der anderen Erfa-Gruppenmitgliedern ist ein Schwerpunkt der Arbeit. Die Buchhaltungszahlen bekommen nämlich erst richtig Farbe, wenn sie von den InhaberInnen kommentiert werden und dann ohne Betriebsblindheit" von den KollegInnen beleuchtet werden. "Auf diese Arbeit möchte ich nicht mehr verzichten" so formulierte es eine Hamburger Erfa-TeilnehmerIn .
Zusammen mit einer Reihe von Kennzahlen, wie z.B. realisierter Aufschlag, Lagerumschlag oder Absatz je beschäftigte Person, ergeben sich klare Rückschlüsse.
Kern der Arbeit ist es, den Unternehmenserfolg richtig einzuschätzen und dabei Stärken und Schwächen zu erkennen. Hierzu dienen die Zahlen der Erfolgsrechnung und der Bilanz, die aufbereitet anderen Läden gegenübergestellt und durch Kennzahlen transparent gemacht werden.
Eine Kalkulationskontrolle ist fester Bestandteil der Jahresanalyse. Sie wird oftmals auch für Teilsortimente durchgeführt. "Bewußtes Handeln" ist das Stichwort, wenn es um Eigenentnahmen, Mitarbeiterrabatte und -verzehr, Umgang mit der Frische oder Diebstahlverhütung geht. Inventurdifferenzen sind klare Fakten und in Zahlen ausgedrückt sehr ernüchternd, da plötzlich klar wird, wo der Gewinn geblieben ist. Da hilft nur ehrlich hinschauen auf das eigene Handeln und Aufzeichnungen führen, dadurch drängen sich dann Veränderungen auf und werden auch umgesetzt was durch erhebliche Verbesserungen im Rohertrag belegt ist.
Geschäftsführung - Wirtschaftlichkeit - Personalmanagement
Die weiteren Themenbereiche von Erfa-Gruppen-Tagungen erstrecken sich über alle Fragen der Firmenleitung, also von Konzeptarbeit, Controlling, Personalmanagement und Organisation über Ladengestaltung und Werbung bis hin zu Sortiments- und Preispolitik. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Planzahlenerstellung. Diese bietet die Möglichkeit des zielgerichteten Handelns indem eigene Vorgaben überprüfbar werden. Zukunftsorientiertes Denken öffnet neue Räume und verhindert Routine durch neue bewußt gesetzte Ziele. So werden nach der Analyse Planzahlen für Umsatz, Kosten und Kalkulation gesetzt und es folgen Überlegungen zu Aktionen, Investitionen und Finanzierungen sowie personellen Veränderungen und dies alles frühzeitig und ohne Druck. Neben der Zahlenarbeit ist ein weiterer Schwerpunkt die Ziele zu klären, die jeder persönlich mit der Aufgabe im Laden verwirklichen will. In dem Zusammenhang wird oft das Ladenkonzept besprochen und eine Selbstdarstellung bearbeitet.
Weitere Themen:
- Personalführung
- Anwendungsmöglichkeiten der EDV (Warenwirtschaftssysteme)
- Umgang mit dem Steuerberater
- Altersvorsorge und Versicherungen für InhaberInnen
- Vergleich der Bankabrechnungen (Zinsen und Gebühren)
- Preispolitik und Aktionen, Rabattgesetz
- Einkaufspolitik
Ladengestaltung
Ladenbesichtigungen finden reihum bei jedem Erfa-Gruppen-Mitglied statt. Der jeweilige Laden wird von den Kollegen "offen und schonungslos" analysiert. Dabei werden die Ladengestaltung ebenso untersucht wie die Warenpräsentation, die Sortimentspolitik oder die technische Ausstattung. "Manchmal ist die Kritik der Kollegen ganz schön hart" so die Meinung der Betroffenen. Aber Kritik ist oftmals heilsam und da die Besichtigung eine Momentaufnahme ist, kommt zum Vorschein, was der Kunde verschweigt und man auch gern selbst übersieht. Oft gibt der Nachdruck einer solchen Runde den entscheidenden Anstoß, Änderungen in Angriff zu nehmen.
